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Story: © by Pete® Haarmann

   

Veröffentlicht: im Februar 2011

     
     

Die Lektion - frisch aus dem Entsafter
Der etwas andere Laufbericht von Pete® Haarmann zur Brocken-Challenge 2011

Rechtfertigung
Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich doch noch einmal die Feder in die Tinte eintauchen soll, um ein weiteres Manuskript über die Brocken Challenge (BC) abzuliefern. Das wäre dann der vierte Bericht von mir zu diesem Event. Die Definition einer Trilogie ist eindeutig und lässt wenig Spielraum für Interpretation. Wenn ich aber diesen Bericht als Teil III(a) deklarieren würde, dann könnte man das noch so eben als Epilog einer Trilogie durchgehen lassen, oder nicht? Ich handhabe das ganz spontan mal so, wie die Ankündigung einer Rockband, sich bald aufzulösen. Diese Äußerungen sind meist das Papier nicht wert, auf dem sie ausformuliert wurden. Spätestens wenn die Ersparnisse aufgebraucht sind, dann gibt es ein Comeback und wen interessiert schon das Geschwätz von gestern. Der finanzielle Aspekt hat bei meiner Entscheidung jedenfalls keine Rolle gespielt ;-).

Spirit
Nun, was kann man noch Neues über die BC berichten? Eigentlich ist doch schon alles gesagt, respektive geschrieben worden, wenn nicht von mir, dann von anderen Teilnehmern. Welche Unterhosen man tragen sollte, mit welcher Wolle die Socken zu stricken sind, wie man Kontakt zu Dr. Fuentes herstellt, wie man sauberes Eigenblutdoping betreibt und wie man die Drogenhunde am Flughafen austrickst, das wisst ihr bereits alles aus meinen vorangegangenen Berichten. Ich hege mit dieser Niederschrift meiner Gedanken die Hoffnung, den Spirit des Laufens auf den Leser transferieren zu können, das ist mein Hauptanliegen. Wenn ihr zwischen den Zeilen lest, dann könnt ihr für euch mit etwas Geschick die passende Rennstrategie ableiten. Die Strategie, die euch in der schnellstmöglichen Zeit auf den Brockengipfel bringt. Am effektivsten ist bekanntlich der Lernprozess, abgeleitet aus den eigenen Fehlern. Seid aufmerksam, so könnt ihr aus meinen Fehlern lernen und müsst nicht so viele eigene machen, das ist weniger anstrengend und schmerzhaft.

Warnhinweis
Der nachfolgende Bericht ist für Schmusejogger nicht geeignet. Hier geht es um knallharte Fakten! Allen Freunden des Kuschel-Jogs würde ich nun empfehlen, diese Webseite unverzüglich zu verlassen. Im anderen Fall macht mich nicht dafür verantwortlich, wenn euer Weltbild ramponiert wird.

Tagträumerei
Im Tanzsaal wird Frühstück gereicht, es ist kurz nach fünf Uhr morgens. Der Kaffee ist heiß, schwarz und stark, genau wie er sein muss, um die Restmüdigkeit aus dem Gliedern zu vertreiben. Eine knappe dreiviertel Stunde vor dem Start der Brocken Challenge 2011 werden hier noch Anekdoten, Heldentaten und jede Menge Läuferlatein zum Besten gegeben. Es ist ein schönes Geschnatter, welches der Geräuschkulisse eines Kaffeekränzchens des Muttergenesungswerkes in nichts nachsteht. Ich suche ein wenig Ruhe und trete aus dem Tanzsaal ins Freie. Dabei komme ich mir vor, als verlasse ich gerade meine Zellenblock und werde in die Freiheit entlassen. Es ist herrlich, diese frische, kalte Luft einzuatmen. Das ist das Nikotin, das sind die Lungenzüge eines Ultraläufers. Als ich die Nase in den Wind halte, da kann ich ihn quasi schon riechen, den neuen Streckenrekord. Die Wetterverhältnisse sind nahezu optimal, kein Vergleich mit den Bedingungen im letzten Jahr. Vor dem geistigen Auge sehe ich mich schon in neuer Rekordzeit den Brocken erklimmen. In bester Usain-Bolt-Manier reiße ich mir nach Zielankunft die Klamotten vom Leib, bis ein T-Shirt mit dem Aufdruck WHO IS FASTER? zum Vorschein kommt. Ich drehe noch ein paar Ehrenrunden mit meinen goldfarbenen Schuhen, bevor ich mich anschließend im Goethesaal ausgiebig feiern lasse. Nun ja, Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. Während ich in diesen Tagtraum versunken bin bewege ich mich zielstrebig auf meinen vermeintlichen Startplatz zu. Ich wünschte, es würde sich
ehrfurchtsvoll eine Gasse bilden, durch die ich wie ein Gladiator hindurch schreiten kann. Aber nein, ich muss jeden einzelnen Läufer und jedes Hindernis umkurven. Die Frage eines Teilnehmers, ob ich bereit bin, quittiere ich mit einem kurzen Kopfnicken. In Gedanken formuliere ich die Antwort mit der kaltblütigen Raffinesse eines Hannibal Lecters:

Bereit, wenn Du es bist!

Puristengeschwätz
Ich erfreue mich noch am Anblick meiner nagelneuen Treter. Der Karton ist erst vor ein paar Tagen bei mir eingetroffen – drei, zwei, eins, meins und das alles ohne Anprobe. Nur um mal mit diesem Ammenmärchen aufzuräumen, Laufschuhe könne man einlaufen. Ich sage, Laufschuhe müssen nicht eingelaufen werden, Laufschuhe müssen einfach nur passen! Was nicht passend ist, das kann auch durch Einlaufen nicht passend gemacht werden. Ich untermauere meine Behauptung und nehme es vorweg: Finish ohne Blase! Die aggressive Farbgestaltung und das geringe Gewicht lassen keinen Zweifel aufkommen, dieser Schuh wurde in Taiwan in mühevoller Kleinarbeit zusammengeschustert, um Bestzeiten damit zu laufen. Ich habe in diesem Jahr nochmal eine Materialoptimierung vorgenommen. Die Schwierigkeit besteht darin, zu beurteilen, was brauche ich und auf was kann ich verzichten. Das hängt natürlich auch mit der Geschwindigkeit zusammen, die ich über die Distanz laufen möchte. Meine Devise lautet: Gewichtsreduktion. Aus diesem Grund werde ich einen Teufel tun und mir diese neumodischen Schneeketten oder Gamaschen an die Füße hängen. Für zusätzliche Gewichte an den Extremitäten muss es schon gute Gründe geben. Gerade dort, wo die Hebelwirkung am größten ist können sich ein paar Gramm über Stunden hinweg zum Spritfresser entwickeln. Wenn ich sehe, was teilweise alles für ein Gedöns zum Brocken hoch geschleppt wird. Hallo Leute, der Brocken befindet sich im Harz und nicht im Karakorum. Ihr könnt also Steigeisen, Eisschrauben und Fixseile getrost zu Hause lassen. Konzentriert euch lieber auf das Wesentliche. Die obligatorische Notfallausrüstung bietet allerdings keine Diskussionsgrundlage für eine Gewichtsersparnis. Ich schwöre, ich habe alles dabei, bin jederzeit zu einer unangemeldeten Rucksackkotrolle bereit.

Realitäten
Spätestens wenn der markerschütternde Brocken-Schlachtruf HERE WE GO in aller Herrgottsfrühe die Idylle im Göttinger Stadtwald zerreißt, dann sollte allen Teilnehmern klar sein, gleich ist Schluss mit lustig, dann ist der bespaßende Teil der Agenda zunächst vorbei. Die Theorie, die gestern noch im Hörsaal des Institutes für Sportwissenschaften vermittelt worden ist, will in die Praxis umgesetzt werden. Ich habe mir einen Platz in den vorderen Startreihen gesichert und laufe von Beginn an in der Führungsgruppe mit. Direkt vor mir habe ich jetzt einen Läufer mit einer roten, blinkenden Schlussleuchte auf dem Kopf. Entschuldigt bitte den rüden Schreibstil, aber dieses blinkende Etwas geht mit mächtig auf die Eier. Entweder gibt es gleich eine Faustkampfeinlage, oder ich muss den Läufer hinter mir lassen. Ich entscheide mich für die zweite Möglichkeit und überhole ihn. Somit gibt es immer wieder leichte Verschiebungen in der Rangfolge. Bei aller Liebe, lasst diesen Quatsch besser sein. Ein rotes Blinklicht hat ja im Straßenverkehr durchaus seine Berechtigung, aber bei einem Wettkampf würde ich dies fast schon als psychologische Kriegsführung einstufen. Ich plädiere auf Disqualifikation. Das Startfeld zieht sich nun immer weiter auseinander. Ich bin eigentlich schon zu schnell unterwegs, denke ich mir, will aber den Kontakt in die Spitze auf keinen Fall abreißen lassen.

Rivalitäten
Einige Gesichter der Läuferschar kenne ich, den Läufer an der Spitze des Feldes allerdings nicht. Ich lasse mich aufklären, es ist ein schneller Pole, so sagt man mir. Er macht kein langes Federlesen und stellt seine Schnelligkeit eindrucksvoll unter Beweis. Ich kann kaum folgen, der Abstand vergrößert sich kontinuierlich. Ich habe nur noch auf gerader Strecke Sichtkontakt, sobald eine Biegung kommt verschwindet die Gestalt vor mir. Insgeheim wünsche ich mir, der Pole würde sich in die nächste Hecke verkriechen, um sich intensiv mit den Ausscheidungen zu beschäftigen, die der Körper von Zeit zu Zeit produziert. Nur so hätte ich zum jetzigen Zeitpunkt eine Chance, etwas an der Hackordnung zu verändern. Aber leider passiert nichts, es bleibt alles beim Alten. Bis auf die Tatsache, dass dieser Bumerang nun schneller zurückkommt als ich dachte. Ich werde nun selber von dem unaufhaltsamen Drang, eine Pinkelpause einzuschieben, heimgesucht. Kurz hinter dem Verpflegungspunkt in Landolfshausen trete ich zu Seite. Die Flüssigkeit versiegt so schnell im Boden wie Kinderpippi in der Pampas. Diesmal läuft’s geschmeidig, kein Vergleich zum letzten Jahr, wo man eine Stange Wasser in die Landschaft installieren konnte, an der ein Eiskletterer seine helle Freude gehabt hätte. Hallo Peter, ruft ein Läufer, der meine Notlage skrupellos ausnutzt und an mir vorbeizieht. Unverschämtheit! Ich erkenne Frank B. aus S. und bin schockiert. War ich doch gestern noch froh, ihn nicht im Hörsaal erblickt zu haben. Dies gab schließlich Anlass zu der aufkeimenden Hoffnung, Frank sei erst gar nicht angereist. Aber Pustekuchen, nun hat er gerade sein wahres Ich gezeigt und macht mir schon wieder Druck auf der Strecke. Scheiße, das hätte doch heute eigentlich so ein gemütlicher Tag werden können. Aber ich Depp habe zu viel Werbung für die BC gemacht und diese jedem Läufer, der mir im vergangenen Jahr über den Weg gelaufen ist, empfohlen. Leider ungeachtet der Tatsache, dass ich mir damit Konkurrenz ins eigene Boot hole - Frank, Du weißt wie das gemeint ist ;-). Zur Info: Frank B. hat mir beim P-Weg in Plettenberg die Tour versaut, sprich mir meine Grenzen aufgezeigt. Das Zahlenmaterial - der Vergleich einiger Finisherzeiten - brachte die ernüchternde Erkenntnis zum Vorschein, ich bin chancenlos. Der Frank, der ist wirklich ein ganz zähes Stück Fleisch, das einem auch noch gefährlich werden kann, wenn kaum noch Leben drin steckt.

Kindergeburtstag
Was bleibt mir anderes übrig, ich reihe mich wieder ein und schließe wenig später zu Frank B. auf. Von dem, was ich hier ein paar Zeilen zuvor geschrieben habe, lasse ich mir natürlich nichts anmerken. Ist doch klar, man darf keine Schwäche zeigen. Wir erreichen gemeinsam den Verpflegungspunkt Rhumequelle. Aber was ist das? Als hätte ich mit Frank B. nicht schon genug Probleme am Hals, da läuft dicht hinter uns ein weiterer Läufer im neongrünen Leibchen mit ASFM-Aufdruck am Verpflegungspunkt ein. Erst mal nicht weiter beachten und so tun, als ob man ihn nicht wahrgenommen hat. Ich verlasse den VP umgehend nachdem ich Flüssigkeit nachgetankt habe. Im weiteren Verlauf bin ich nun von zwei Franks eingerahmt, Frank B aus S. und Frank K. aus G. sind meine Wegbegleiter. Es gibt zurzeit wenig Spektakuläres von der Strecke zu berichten. Eines steht allerdings jetzt schon fest, im Vergleich zu den beiden Vorjahren ist die BC in diesem Jahr ein Kindergeburtstag. Diese Äußerung von mir soll die Leistung derjenigen, die in diesem Jahr den Brocken bezwungen haben, in keiner Weise schmälern. Es muss einem aber bewusst sein, die Vergleichbarkeit der Ergebnisse aus den unterschiedlichen Jahren ist bei der BC nicht gegeben. Ich bin nun zum vierten Mal dabei und kann bestätigen, jede Challenge ist anders. Aber nun zurück zum Renngeschehen. Nach dem VP in Barbis verliere ich endgültig den Kontakt zur Spitze, mit dreieinhalb Stunden für die Marathondistanz bin ich für meine Verhältnisse eindeutig zu schnell unterwegs. Vor mir sind jetzt an führender Position der Pole, gefolgt von Frank B. und dem ASFM-Läufer in seinem neongrünen Leibchen. Ich mache mir keine Illusionen mehr, ein Platz unter den ersten drei ist utopisch und entspricht einer Wahrscheinlichkeit, die sich asymptotisch der Null nähert. Das neongrüne Hemdchen vergrößert den Abstand kontinuierlich. Im Entsafter habe ich keinen Läufer in Sichtweite mehr vor mir. Es wird ein Kampf gegen Phantomgegner. Einmal noch geling es mir jedoch, das voraus laufende Duo ins Fadenkreuz zu rücken. Damit haben sie sich eindeutig ein paar Motivationspunkte von mir verdient - am Jagdkopf laufen sie mir endgültig davon.

Zeitnot
Die Damen am Jagdkopf sind wieder schwer beeindruckt, allerdings nicht von meinen läuferischen Qualitäten, sondern ihnen imponiert am meisten, mit welcher Geschwindigkeit ich mir die Pinnchen mit dem Tee runterkippe, ohne zu erbrechen. Noch ein kleines Gedeck - Tee und Salzplätzchen - und weiter geht’s, ich bin wieder auf der Strecke. Bei insgesamt acht Verpflegungspunkten ist jede überflüssige Minute, die man dort verbringt, reine Zeitverschwendung. Über die Aufenthaltszeit an den VPs können ganze Rennen entschieden werden. Natürlich möchte ich den Gourmetläufern den Spaß nicht verderben, sich ausgiebig zu laben. Bei dem reichhaltigen Angebot, welches die VPs bei der BC bereithalten, ist es durchaus möglich, an Gewicht zuzulegen - auf dem Weg zum Brocken.

Weinerlichkeit
Auf der Südharzloipe lässt es sich bis auf wenige Ausnahmen problemlos laufen. Der restliche Teil der Strecke ist Routine. Diese Routine wird nur unterbrochen durch die kurzen Tankstopps in Königskrug und Oderbrück. Die letzten Kilometer fordern noch mal die ganze Willenskraft heraus. Der regelmäßige Blick zurück gibt mir Sicherheit, die Sicherheit nicht noch einen Platz einbüßen zu müssen. Mit Anbruch des letzten Kilometers schau ich nach einigen Stunden wieder auf die Uhr. Ich bin total überrascht, eine Zeit noch deutlich unter acht Stunden ist möglich. Ich bekomme noch einmal Auftrieb und nehme den Kampf gegen die Uhr auf. Laufen bedeutet kämpfen. Es ist ein Kampf an drei Fronten, der Kampf gegen sich selbst, der Kampf gegen die Uhr und nicht zuletzt der Kampf gegen den Kontrahenten. Ohne Gegner gibt es keinen Sieger. Die Währung, mit der hier gezahlt wird, sind nur die erlaufenen Kilometer. Ich muss gestehen, ich bin in letzter Konsequenz nicht mit der nötigen Härte zu Werke gegangen, die eventuell nötig gewesen wäre, um hier und heute zu punkten. Ich habe mich zu sehr geschont, habe mich zu schnell der Weinerlichkeit hingegeben. Das war ein Fehler. Nur wer den Dreck von der Straße gefressen hat wird in der Lage sein, beurteilen zu können, welche Delikatesse eine Scheibe trocken Brot sein kann. In dem Gasthof, in dem ich die letzte Nacht vor dem STUNT 100 verbracht habe, hängt ein Spruch im Frühstücksraum, liebevoll in Holz geschnitzt, mit folgendem Wortlaut:

Altes Brot ist nicht hart.
Kein Brot zu haben, das ist hart.

Dieser Spruch wurde an jenem Tag zu meiner Mantra und hat mich über die Höhen und durch das Leinetal gepeitscht. Es sind gerade die Kleinigkeiten, die zur Perfektion beitragen. Ich bin mir sicher, diese Kleinigkeit hat mir heute gefehlt.

Showdown
Der Zieleinlauf ist nicht so ergreifend wie im letzten Jahr. Wenn ich richtig gezählt habe, dann sind drei Läufer vor mir eingetroffen. Ich bin mit meiner Platzierung und der Zeit hochzufrieden. Aber wie schon gesagt, körperlich geht es mir eigentlich zu gut. Ich habe nicht alles aus mir rausgeholt. Wenn Du im Ziel mit einem Krampf zusammenbrichst, dann war es das perfekte Timing. Ich halte mich draußen nicht lange auf und suche die Wärme im Goethesaal. Dort angekommen gratuliere ich sofort den Siegern. Der Pole macht einen niedergeschlagenen Eindruck, die Enttäuschung steht ihm im Gesicht geschrieben. Wenig später folgt die Erklärung. Erste ist nicht der Pole, sondern der Läufer mit dem neongrünen Leibchen. Zweiter ist nicht der Pole, sondern Frank Buka. Der dritte Platz geht an den Polen. Das ist natürlich eine ganz bittere Pille, sich beim Showdown auf dem Gipfelgrat den Todesstoß versetzen zu lassen. Das muss man erstmal verdauen. Ein Riesenkompliment an den Mann im neongrünen Leibchen. Er hat auch einen Namen und heißt Lars Donath. Im letzten Jahr war er noch über zwei Stunden hinter mir und heute läuft er Streckenrekord mit einer grandiosen Renneinteilung. Tolle Leistung Lars, das war ganz großes Kino hier auf dem Brockengipfel. Lars nimmt meine Glückwünsche entgegen und freut sich mehr darüber, mir heute zwanzig Minuten abgenommen zu haben, als über den ersten Platz, wie mir scheint. Das wertet meine Leistung indirekt auch noch mal auf. Der vierte Platz wird so zum gefühlten zweiten Platz. Ich will hier nicht den Klugscheißer mimen, aber es sei mir gestattet, einen kostenlosen Tipp habe ich noch für euch:

Die Kunst besteht nicht darin, einen schnellen Lauf hinzulegen.
Die Kunst besteht darin, diesen Sport mit konstanten Leistungen
über Jahre hinweg ohne schwerwiegende Verletzungen auszuüben.

Lars, Du hast heute gezeigt, dass ein großes Potential in Dir steckt. Bitte tu mir den Gefallen und gehe behutsam damit um. Ich habe schon erlebt, wie sich Läufer innerhalb kürzester Zeit komplett verheizt haben. Das hat keine zwei Jahre gedauert. Denk mal drüber nach…

Schnelllebigkeit
Der Ultrazirkus zieht nun weiter. Was bleibt, sind die Eindrücke in den Köpfen derer, die teilgenommen haben, teilnehmen durften. Nach ein paar Stunden wird nichts mehr daran erinnern, was heute hier stattgefunden hat. Selbst die Fußabdrücke im Schnee werden sich verflüchtigen. Ich bin mir sicher, die nächste BC ist schon in Vorbereitung, in dem Moment, in dem ich diese Zeile schreibe.

Abschlussbemerkung
In dem Fernsehbericht des NDR über die diesjährige BC wurden Einblendungen am unteren Bildschirmrand mit dem Hinweis „Extremläufer“ vorgenommen. Extremläufer, das ist ein Begriff, auf den ich ziemlich allergisch reagiere. Ein Fußballer wird auch nicht als Extremfußballer bezeichnet, nur weil es mal in die Verlängerung geht.

In diesem Sinne, geht’s raus und lauft’s Ultra.

Euer Pete®
 

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