Stationen eines Ultraläufers
Eine
Bericht von und über Roger
Klein

Regelmäßige Pausen gehören auch dazu - Die
Kunst liegt in
der Einteilung seiner Kraftreserven._____________________
Ich habe erst relativ spät, d.h. im Alter von genau 39 Jahren (1985),
angefangen überhaupt Sport zu treiben. Bei einer kleinen privaten Feier habe
ich mich zu einem folgenschweren Versprechen hinreißen lassen, nämlich 2
Wochen später beim City Jogging mitzulaufen. Dies ist ein 10 km Lauf ohne
Zeitnahme, doch für mich war es quasi der 1. Ultralauf, so nach dem Motto:
"Von 0 auf 10". Dieser hat mir trotz Schwierigkeiten ab Kilometer 5 riesigen
Spaß gemacht, so bin ich dann beim Laufen geblieben und bis heute nicht mehr
davon losgekommen.
Ein Jahr später bin ich meinen ersten Halbmarathon (1:32 h) und wiederum ein
Jahr später (1987) meinen ersten Marathon (3:13 h) gelaufen. Danach habe ich
regelmäßig an Volksläufen teilgenommen. Nachdem ich meine zum Ziel gesetzten
Zeiten fast alle erreicht hatte (10 km in 00:38:01 h, HM in 1:24 h, Marathon
in 3:05 h), merkte ich, dass ich meine Zeiten nicht mehr wesentlich
verbessern konnte, und habe mich schließlich dem Ultralauf zugewandt.
Meine ersten (Ultra-) Erfahrungen habe ich beim Ultramarathon des Gorges du
Verdon in Südfrankreich im Jahr 1996 gemacht. Dies ist ein 3 Etappenlauf von
insgesamt 120 km Länge und etwa 8000 zu überwindenden Höhenmetern. Den
ersten und einzigen 100 km Lauf habe ich 1999 in Mulhouse (F) in einer Zeit
von 10:28 h erfolgreich beendet. Es folgte im Jahre 2000 der Grand Raid de
la Reunion oder auch "Diagonale des Fous" genannt, mit einer Distanz von 125
km und 8000 Höhenmetern. Nach knapp 36 Stunden bin ich glücklich im Ziel
angekommen. 2001 habe ich den Desert Cup in Jordanien bestritten, mit 168 km
und 4000 Höhenmetern. Dieser Lauf war für mich ein überwältigendes Erlebnis,
und meine erste Bekanntschaft mit der Wüste war faszinierend. Hier habe ich
das Ziel in 35 Stunden erreicht.
Nach dem Zieleinlauf kamen mir Bilder in Erinnerung, die ich irgendwann im
Fernsehen gesehen hatte. Es war eine Reportage über einen Lauf im Tal des
Todes. Ich befragte das allwissende Internet, um nähere Informationen zu
diesem Lauf zu bekommen. Der Entschluss stand für mich fest, und es gab da
nur noch ein Problem, wie konnte ich meine Familie davon überzeugen, dass
ich an einer Veranstaltung namens Badwater Ultramarathon teilnehmen möchte.
Letztendlich war die ganze Sache einfacher, als ich mir dies vorgestellt
hatte. Alle waren von der Idee begeistert und wollten an diesem Abenteuer
teilhaben. Es begann die Phase der Vorbereitung auf diese Herausforderung.
Ende Dezember 2002 stellte ich schließlich meinen Teilnahmeantrag für den
Badwater Ultra und es erreichte mich Ende Januar 2003 die positive
Nachricht, die mich als Teilnehmer bestätigte! Alle weiteren
Trainingseinheiten dienten nur noch dem einzigen Ziel, die Ausdauer weiter
zu verbessern. Mein Trainingspensum bewegte sich zwischen 100 und 220
Wochenkilometern. In diesen Monaten drehten sich meine Gedanken nur noch um
den Badwater Ultra Marathon, was meiner Meinung nach auch ein wichtiger
Bestandteil der intensiven Vorbereitung war. Das gesamte Umfeld, und im
Besonderen die eigene Familie, muss ein solches Vorhaben unterstützen, damit
das gesteckte Ziel auch erreicht werden kann.