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Story: © Roger Klein

   

Veröffentlicht: 27.07.2006

     
Titel:  Stationen eines Ultraläufers
Autor:  Roger Klein (Luxemburg)
Datum:  23.03.2006
     

Stationen eines Ultraläufers
Eine Bericht von und über Roger Klein


Regelmäßige Pausen gehören auch dazu - Die Kunst liegt in
der Einteilung seiner Kraftreserven._____________________

Ich habe erst relativ spät, d.h. im Alter von genau 39 Jahren (1985), angefangen überhaupt Sport zu treiben. Bei einer kleinen privaten Feier habe ich mich zu einem folgenschweren Versprechen hinreißen lassen, nämlich 2 Wochen später beim City Jogging mitzulaufen. Dies ist ein 10 km Lauf ohne Zeitnahme, doch für mich war es quasi der 1. Ultralauf, so nach dem Motto: "Von 0 auf 10". Dieser hat mir trotz Schwierigkeiten ab Kilometer 5 riesigen Spaß gemacht, so bin ich dann beim Laufen geblieben und bis heute nicht mehr davon losgekommen.

Ein Jahr später bin ich meinen ersten Halbmarathon (1:32 h) und wiederum ein Jahr später (1987) meinen ersten Marathon (3:13 h) gelaufen. Danach habe ich regelmäßig an Volksläufen teilgenommen. Nachdem ich meine zum Ziel gesetzten Zeiten fast alle erreicht hatte (10 km in 00:38:01 h, HM in 1:24 h, Marathon in 3:05 h), merkte ich, dass ich meine Zeiten nicht mehr wesentlich verbessern konnte, und habe mich schließlich dem Ultralauf zugewandt.

Meine ersten (Ultra-) Erfahrungen habe ich beim Ultramarathon des Gorges du Verdon in Südfrankreich im Jahr 1996 gemacht. Dies ist ein 3 Etappenlauf von insgesamt 120 km Länge und etwa 8000 zu überwindenden Höhenmetern. Den ersten und einzigen 100 km Lauf habe ich 1999 in Mulhouse (F) in einer Zeit von 10:28 h erfolgreich beendet. Es folgte im Jahre 2000 der Grand Raid de la Reunion oder auch "Diagonale des Fous" genannt, mit einer Distanz von 125 km und 8000 Höhenmetern. Nach knapp 36 Stunden bin ich glücklich im Ziel angekommen. 2001 habe ich den Desert Cup in Jordanien bestritten, mit 168 km und 4000 Höhenmetern. Dieser Lauf war für mich ein überwältigendes Erlebnis, und meine erste Bekanntschaft mit der Wüste war faszinierend. Hier habe ich das Ziel in 35 Stunden erreicht.

Nach dem Zieleinlauf kamen mir Bilder in Erinnerung, die ich irgendwann im Fernsehen gesehen hatte. Es war eine Reportage über einen Lauf im Tal des Todes. Ich befragte das allwissende Internet, um nähere Informationen zu diesem Lauf zu bekommen. Der Entschluss stand für mich fest, und es gab da nur noch ein Problem, wie konnte ich meine Familie davon überzeugen, dass ich an einer Veranstaltung namens Badwater Ultramarathon teilnehmen möchte. Letztendlich war die ganze Sache einfacher, als ich mir dies vorgestellt hatte. Alle waren von der Idee begeistert und wollten an diesem Abenteuer teilhaben. Es begann die Phase der Vorbereitung auf diese Herausforderung. Ende Dezember 2002 stellte ich schließlich meinen Teilnahmeantrag für den Badwater Ultra und es erreichte mich Ende Januar 2003 die positive Nachricht, die mich als Teilnehmer bestätigte! Alle weiteren Trainingseinheiten dienten nur noch dem einzigen Ziel, die Ausdauer weiter zu verbessern. Mein Trainingspensum bewegte sich zwischen 100 und 220 Wochenkilometern. In diesen Monaten drehten sich meine Gedanken nur noch um den Badwater Ultra Marathon, was meiner Meinung nach auch ein wichtiger Bestandteil der intensiven Vorbereitung war. Das gesamte Umfeld, und im Besonderen die eigene Familie, muss ein solches Vorhaben unterstützen, damit das gesteckte Ziel auch erreicht werden kann.

__Endlich war es soweit, Monate des Bangens - __Verletzungen zu vermeiden usw. - waren vorbei und __ich stand am Start meiner größten sportlichen __Herausforderung, aber auch eines großen Traumes. __Nicht enden wollende 43 Stunden später war dieser __langjährig gehegte Traum, mit einer für meine __Verhältnisse sehr guten Platzierung, in Erfüllung __gegangen. Ob ich jemals dieses Ereignis toppen __kann oder will, weiß ich im Moment noch nicht.


Letztes Jahr nahm ich erfolgreich am Ultra Trail Mont-Blanc teil (158 km und 600 Höhenmeter). Für dieses Jahr (2006) habe ich kein größeres Projekt mehr geplant, und es wird, wie mir scheint, ein Jahr der Erholung werden. Vielleicht bin ich gewillt im nächsten Jahr – dann als Rentner – ein neues Abenteuer in Angriff zu nehmen.

So, das waren ein paar Informationen zu meiner sportlichen Karriere. Es sei noch Folgendes zu meiner privaten Laufbahn angemerkt:

1946 geboren, verheiratet seit 1973, 2 Kinder (im Alter von 28 und 25), arbeite seit 1965 in der technischen Abteilung der Post und gehe nächstes Jahr in den wohl verdienten Ruhestand.

Mit sportlichen Grüssen aus Luxemburg

Roger

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