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Story: © Peter
Haarmann |
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Veröffentlicht: 21.12.2005 |
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Titel: |
Meine erste Begegnung mit dem
schlechten Wasser |
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Autor: |
pete@badwaterultra.de |
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Datum: |
August 2004 |
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Es war bereits verdammt spät, eigentlich viel zu spät,
als ich am Vormittag des 23.08.1996 auf dem Las Vegas Blvd., dem so
genannten Strip, die Wüstenstadt in südlicher Richtung verließ und im
Rückspiegel noch einmal die Lettern des berühmten Signs „WELCOME TO Fabulous
LAS VEGAS“ für kurze Zeit auftauchten.
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Las Vegas Blvd.,
The Strip |
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Die Tage sind gezählt, September 1996
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Ich hatte viel Zeit verloren, weil dies mein letzter Tag in Vegas war und
ich unbedingt noch ein paar Fotos vom legendären Sands
Hotel Casino schießen wollte. Dieses unrentabel gewordene
Wüstenhotel, in dem über Jahre hinweg das berüchtigte
Rat Pack mit Frank Sinatra, Dean
Martin und Konsorten für unvergessene Abende bzw. Nächte verantwortlich
gewesen war, sollte in naher Zukunft Bekanntschaft mit der soliden
amerikanischen Version einer Abrissbirne machen, nämlich einen paar
ordentlichen Stangen Dynamit. Als letzte Ehre wurde ihm ein Auftritt als
Kulisse in dem Film „Con Air“ mit Nicolas Cage zuteil.
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Die letzten Sekunden eines zur Legende gewordenen Hotels |
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Vegas ist eine Welt für sich, die man
unbedingt gesehen bzw. erlebt haben muss. Bevor ich noch weiter ins
Schwärmen gerate, sollte ich jetzt allmählich Kurs auf Badwater nehmen.
Vielleicht erwähne ich bei Gelegenheit noch die Ereignisse jener Nacht, in
der ich mein gesamtes Cash bereits beim Spiel an den Tischen verloren hatte
und nun mit der Kreditkarte im Anschlag einen weiteren Versuch unternahm,
das Schicksal herauszufordern.
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Las Vegas by Night, Blick vom Stratosphere Tower
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State Highway 190 Richtung Death Valley
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Als ich in meinem
dunkelgrünen Chrysler Voyager in Richtung Death Valley dahinglitt, ich
glaube hier in Amerika sagt man Cruisen zu dieser Fahrweise mit gemäßigtem
Tempo und cooler Musik, wusste ich noch nicht, was mich an Ort und Stelle
erwarten würde. Eine Gegend, in der sich die Füchse morgens schon eine gute
Nacht wünschen, wie mein Vater immer zu sagen pflegte. Der Van lag satt auf
der Straße und fuhr, auf diesen nicht enden wollenden Straßen, die irgendwo
am Horizont versiegen, wie auf Schienen. Unter diesen Umständen, macht auch
der zur Serienausstattung gehörende Tempomat wirklich Sinn. Die Aircondition
sorgte im Innenraum für ein angenehmes Klima, das man nur für obligatorische
Pinkelpausen, Tankstops etc. verlassen musste. Die Anreise in das Tal des
Todes von Vegas aus, ist eine Reise voller Gegensätze, von einem Ort des
pulsierenden Lebens in die stille Abgeschiedenheit der Wüste, und lässt
einen beide Orte als unwirklich erscheinen.
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Ich hatte mich auf so eine
Unternehmung natürlich akribisch vorbereitet und unter anderem den
Baedeker Reiseführer zu Pflichtlektüre gemacht. Ich hatte also schon mal
etwas von den unerträglichen Temperaturen und dem Hitzerekord aus dem Jahr
1913 gelesen, auch ist mir das Messinstrument ein Begriff, das zu dem
Zweck entwickelt wurde, das ganze zahlentechnisch zu erfassen
(Thermometer). Aber was es bedeutet, Temperaturen jenseits der 122 Grad
Fahrenheit (50 Grad Celsius) ausgesetzt zu sein, das weiß man erst, wenn
man es gefühlt hat. Wenn man für einen längeren Zeitraum mal auf die
Vorzüge einer Klimaanlage im Auto verzichtet, dann stellt man schnell
fest, dass sich das Fahren an sich zu einem Hochleistungssport entwickelt,
und das mit einem Automatikfahrtzeug. Nicht auszudenken, was in einem
Vehikel mit Schaltgetriebe auf einen zukommt. Als ich ein Jahr später
(1997) wieder in der Gegend unterwegs war, diesmal mit
Marlboro Travel,
hatte sich der
Tour Guide mit Schweißbändern präpariert, wohlgemerkt zum
Autofahren. Von dieser einzigartigen Landschaft, war ich jedoch von der
ersten Minute an fasziniert und mir war klar, dass weitere Besuche dieser
Region folgen würden.
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Absolut lohnenswert ist ein Abstecher
zu dem 5475 ft (1669 m) hoch gelegenen Aussichtspunkt „Dantes View“. Aber
Achtung, das Befahren dieser Dead-End-Road hat eine Addition von 26 Meilen
(42 km) auf den Tageskilometerzähler zur Folge, und das bei zum Teil
heftigen Steigungen. Also unbedingt bei der Planung berücksichtigen, da man
sonst evtl. ein Raum-Zeit-Problem bekommt. Von diesem Punkt aus liegt einem
Badwater praktisch zu Füßen und man wird mit einem traumhaften Ausblick auf
das Tal des Todes belohnt.
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Ausblick von Dantes View über das Tal des Todes
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Für ein weiteres Highlight mit dem
Namen „Zabriskie Point“ muss man keinen zusätzlichen Umweg in kauf
nehmen. Also nur aussteigen, ein paar Schritte zu Fuß zurücklegen und
genießen.
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Zabriskie Point
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Was mir zum damaligen Zeitpunkt
allerdings nicht klar war, dass es ein paar „Verrückte“ geben sollte, die
sich zum Ziel gesetzt hatten, in diesem Glutofen eine Laufveranstaltung
über 135 Meilen (in Worten: Einhundertfünfunddreißig bzw. 217 km ) zu
bestreiten. Erfahren, dass es so etwas wie einen Badwater Ultramarathon
gibt, habe ich beiläufig, bei einer Tasse Kaffee. Ein Bekannter meiner
Frau war zu Besuch, als ich gerade triefnass vom Joggen heimkam und
mitleidvolle Blicke auf mich zog. Als ich mich dann später dazugesetzt
habe, hat er dann irgendetwas vom Badwaterlauf gefaselt, wobei das
Treppensteigen für ihn schon zu einer Sportart gehört (Horst bitte verzeih
mir!). Ich habe mir in dem Moment nur gedacht, ja ja erzähl Du mal.
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Badwater - Wie man am Schatten erkennen kann, ist
es bereits viel zu spät...
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Es sollten noch 1 bis 2 Jahre
vergehen, bis ich mich ernsthaft mit diesem Thema beschäftigen würde. Beim
Karstadt-Ruhrmarathon 2004 wurde Joey Kelly kurz vor dem Start interviewt,
und nach seiner bisher größten Herausforderung befragt. Du darfst raten,
was er darauf geantwortet hat? Richtig: Badwater Ultramarathon! Von da an
war Badwater nicht nur ein Spot im Death Valley, der sich 282 ft (86 m)
below Sealevel befand, sondern eng damit verbunden auch ein Spot im meinem
Kopf namens Badwater Ultramarathon, der einige Meter oberhalb der
Vernunftsgrenze angesiedelt zu seien schien. Wobei ein austrainierter
Ultramarathoni durchaus in der Lage ist, die Vernuftsgrenze um genau diese
Differenz wieder anzuheben.
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