TTdR - Eine Idee und deren Umsetzung
Es war bereits kurz vor zwei Uhr nachts, als sich mein Handy auf dem
Nachtschränkchen bemerkbar machte. Am anderen Ende vermutete ich Julia - die
Frau von Jens. Richtig, wer sollte mich auch sonst zu so später Stunde noch
belästigen wollen. Mit diesem Anruf hatte ich insgeheim eigentlich schon vor
Stunden gerechnet. Es sollte ein Weckruf werden, der in diesem Fall keiner
war, da ich bereits seit den frühen Morgenstunden ununterbrochen auf den
Beinen war. Ihre Stimme klang abgespannt. Für den Bruchteil einer Sekunde
war ich verunsichert, verunsichert darüber, welche Nachricht sie für mich
bereithielt. "Ich wollte Dir nur sagen..., Jens wird gegen drei Uhr am See
eintreffen." Erleichterung machte sich breit, gefolgt von einem unbändigen
Tatendrang. Wie aus der Pistole geschossen stand die Motivation auf einmal
direkt neben mir. Meine Frau Bobbi und ich folgten dem zuvor festgelegten
Ablauf. In der Küche brodelte kurz darauf die Kaffeemaschine. Während Bobbi
einige Brötchen belegte, schlüpfte ich in meine Rad- und Laufbekleidung.
Sorgfältig habe ich die Funktionsbekleidung schichtweise aufgetragen, um
mich später nach dem bewährten Zwiebelsystem den Wetterbedingungen anpassen
zu können. In aller Ruhe noch einen Kaffee runtergespült, danach machten wir
uns dann in Richtung Hengsteysee auf. Als wir links auf den Bikerparkplatz
abbogen, vielen mir sofort einige unbeleuchtete Fahrzeuge auf, die dort
abgestellt waren. Meine Vermutung, dass hier liebestechnische Handlungen
vollzogen wurden, stellte sich später als nicht zutreffend heraus. Es waren
die Vehikel einiger BegleiterInnen von Jens, die hier zwischengelagert
wurden. Nachdem wir eingeparkt hatten, begrüßt uns Julia und versorgte uns
mit den neuesten Infos. Jens war jetzt seit 17 Stunden unterwegs und seine
unmittelbare Ankunft wurde durch das Eintreffen des ersten Radbegleiters -
Michael vom Tri-Team Hagen - angekündigt. Ich sah die Lichter zweier
Stirnlampen über die Hengsteyseebrücke schweben, die sich wie ferngesteuert
auf uns zubewegten. Durch den Lichtkegel geblendet, konnte ich die Gesichter
nicht gleich erkennen. Nach der gegenseitigen Begrüßung wurde auch schon die
"Übergabe" organisiert.
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Jedes Mitglied dieser kleinen Truppe am See widmete sich
einer Aufgabe. Da wurde verstaut, sich umgezogen, fotografiert, berichtet
und Nahrung zugeführt. Ich selber erhielt eine Kurzeinweisung von Rudi
bezüglich der Eigenheiten des Drahtesels samt Gespann, auf welchem die
Verpflegungskisten deponiert waren. Dem folgte ein sorgfältiger Blick in das
Kartenmaterial.

Die nächsten 15 km waren mir zwar vertraut, aber dann gab es
die erste Unbekannte in der Gleichung. Die Fähre vor dem Kemnader See war zu
dieser frühen Stunde nicht in Betrieb, somit musste eine Alternativroute
genutzt werden. Aber bis dahin sollten noch gut zwei bis drei Stunden
vergehen. Jens hatte es sich derweilen im hinteren Teil seines Busses bequem
gemacht und die Füße hochgelegt. Die zurückliegende Strapaze konnte auch er
nicht verbergen. Die um 30 Kilometer kürzere Strecke lang nun noch vor ihm,
und somit auch vor mir. Mit dem Unterschied, dass ich die nächsten 45 km auf
dem Fahrrad verbringen durfte.
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Nur noch 100 km, das klingt irgendwie absurd.
Nach einer halben Stunde Aufenthalt verschwand ich mit Jens in der Nacht...

Alle weiteren Infos bekommst Du über die Website des Veranstalters und
Finishers himself: www.tortourderuhr.de
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Zeitsprung -
Ein Ziel. Ein Läufer. Ein Finisher. Es ist vollbracht, nach 33 Stunden und
wenigen Minuten hat Jens Vieler die Mündung der Ruhr in den Rhein erreicht.
33 Stunden, von denen ich ihn 16 begleitet habe. 33 Stunden, von denen die
letzten Minuten eine Ewigkeit waren. 33, das ist ebenfalls die Summe der
Kantenlängen der Skulptur Rheinorange (Höhe 25m,Breite 7m, Tiefe 1m), die
diese Flussmündung seit 1992 ziert. 33, das ist eine Zahl, die durch die
Streckenlänge von 230 Kilometern erst eine Dimension erhält. GLÜCKWUNSCH !
Ich bin sehr gespannt, ob es in 2008 Nachahmer oder gar Wiederholungstäter
gibt!?