Wie lautet nun meine ganz persönliche Zielsetzung im Hinblick auf den
Badwater Ultra? Ich möchte an dieser Stelle einen wahrscheinlich neuen
Begriff in die Diskussion einwerfen. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, den
Badwater Ultramarathon und die damit verbundene Bewältigung der
Gesamtdistanz von 217 km im „alpinen Stil“ vorzunehmen.
Badwater im alpinen Stil
Ich sollte nun versuchen mich sehr präzise auszudrücken, um nicht
Missverständnisse höchsten Grades heraufzubeschwören. Ich will noch mal
ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich die Rolle der Supporter und die
Bedeutung des gesamten Teamworks zu keinem Zeitpunkt in Frage stelle. Um
zu verstehen, was ich konkret mit der Wortschöpfung „Badwater im alpinen
Stil“ meine, ist zunächst der Begriff alpiner Stil zu erklären.
Der Begriff alpiner Stil kommt wie zu vermuten ist aus der Welt des
Extrembergsteigens. Dieser Stil unterscheidet sich von dem mit viel
Materialaufwand vollzogenen Belagerungszustand eines Berges dadurch,
dass man auf alles Überflüssige verzichtet, d.h. keine endlos lange
Logistikkette, keine zusätzlichen Träger, kein Basislager. Es ist ein
Akt der Befreiung von allem Überflüssigen, um sich mit einem Minimum an
Ausrüstung auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Die Besteigung
eines Berges wird so in seiner ursprünglichsten, reinsten Form
vollzogen.
Das heißt übertragen auf den Badwater Ultra, die Herausforderung
anzunehmen und diese mit einem Minimum an zusätzlicher Hilfe und einem
Minimum an Material und Ausrüstung zu meistern, eine Ernährungs- und
Flüssigkeitsversorgung auf der Basis von Naturprodukten anzustreben.
Ich laufe grundsätzlich ohne Pulsuhr am Arm, ohne GPS, ohne die Pfropfen
eines MP3-Players im Ohr und ohne sonstigen Schnickschnack. Ein langer
intensiver Lauf hat für mich auch etwas Ursprüngliches und Reines an
sich, bei dem ich mich mit der Natur sehr stark verbunden fühle und der
nach meiner Vorstellung auch nur im Einklang mit dieser zu bewältigen
ist. Ich möchte dabei alle möglichen Eindrücke über die 5 Sinne in mich
aufnehmen.
Die Augen
Das kann die unbegrenzte Farbenvielfalt eines herbstlichen Laubwaldes
sein.
Der Mund
Das kann der Salzgeschmack aus den Mundwinkeln sein.
Die Nase
Das kann der Duft einer frisch gemähten Wiese sein.
Die Ohren
Das kann das Plätschern eines Baches sein.
Die Haut
Das kann Regen auf der Haut sein.
Aber das ist mit Sicherheit nicht das Dröhnen von Musik in meinen Ohren.
Musik, abgezapft aus einem MP3-Player; ein Kabel, vergleichbar einer
Nabelschnur, über das man sich die nötige Motivation runter lädt. Das
ist nicht meine Vorstellung von einem Ultralauf. Ich strebe an einen
Zustand zu erreichen, bei dem ich in der Lage bin, alle nötige Motivation
unmittelbar aus der Umgebung in der ich laufe zu beziehen. Eine endlos
lange Gerade soll nicht demoralisierend wirken, sondern vielmehr einen
Ansporn liefen, auch die nächste Biegung zu erreichen.
Erfolg auf ganzer Linie ist nach meinem Verständnis nur ein Erfolg, bei
dem ich auch meinen eigenen Prinzipien treu geblieben bin. Mein
Wunschvorstellung für den Badwater Ultra ist es, diese Linientreue
umzusetzen. Ein Überschreiten der Ziellinie im Schulterschluss mit sich
selbst und dabei die Zeit zu einer Nebensächlichkeit degradiert zu haben, das wäre das Maß aller Dinge.
Ich weiß, das alles ist Theorie und die Praxis liegt in weiter Ferne.
Aber das ist nun mal meine Zielsetzung für den Badwater Ultra. Es kann
gut sein, dass ich meine Ansichten, oder zumindest einen Teil davon,
geprägt durch Erfahrungen, die ich noch zwangsläufig machen werde, auf
den Prüfstand stellen muss. Vielleicht muss ich eines Tages folgendes
verlauten lassen:
Ich
nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil.
Wer weiß…???
Zu guter Letzt noch ein kleines Beispiel aus der Natur. Ein Beispiel
dafür, dass es sich lohnt, die Courage aufzubringen ein Ziel zu
verfolgen, auch wenn es unmöglich erscheinen mag, es jemals erreichen zu
können. Und damit bin ich dann wieder am Anfang meiner Ausführungen
angekommen.
Die Tatsache an sich, ein Ziel vor Augen zu haben...
Die Natur ist der beste Lehrmeister:
Die Hummel hat ein Körpergewicht von 0,7 Gramm
und eine Flügelfläche von 1,3 cm zum Quadrat.
Nach allen uns bekannten Gesetzen
der Aerodynamik
kann sie nicht fliegen!
Doch sie weiß es nicht und tut es doch.
By ich weiß nicht von wem...? Im Zweifelsfall By Nature