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Newton & Co

     

Der Determinismus ist tot,
es lebe der Determinismus

Was hat Ultralaufen eigentlich mit Physik und Mathematik zu tun? Man könnte meinen, dass bis auf die Tatsache, eine Strecke s in einer bestimmten anzustrebenden Zeit t zurückzulegen, eigentlich relativ wenig. Ich will den Sachverhalt allerdings aus einem etwas eigenwilligen Blickwinkel heraus betrachten. Die Bedeutung und Interpretation der folgenden Gleichung ist vielleicht noch aus dem Physikunterricht bekannt.

F=m*a

Demnach wird eine Kraft F benötigt, die sich proportional zur bewegten Masse m und zur Geschwindigkeitszunahme a (Beschleunigung) verhält, um einen Körper von einem Punkt A nach einem Punkt B zu befördern. Die dazu erforderliche Arbeit W, die verrichtet werden muss, ist abhängig vom zurückgelegten Weg s und der aufgewendeten Kraft F.

W=F*s

Die erbrachte Leistung P wiederum errechnet sich aus dem Quotienten der Arbeit W und Zeit t. Leistung ist definiert als geleistete Arbeit pro Zeitintervall.

P=W/t

Mit diesem physikalischen Grundlagenwissen könnten wir also nun ein paar Berechnungen an einem Ultraläufer vornehmen, um diese schweißtreibende Beschäftigung in Zahlen zu erfassen. Aber, bevor nun hemmungslos gerechnet wird, will ich einige Ergebnisse vorwegnehmen. Wenn man davon ausgeht, dass ein Ultraläufer anstreben wird mit einer konstanten Geschwindigkeit (v = konstant) in der Ebene zu laufen, und die Anfangsbeschleunigung a zu vernachlässigen ist, dann sieht die Bilanz folgendermaßen aus:

Kraftaufwand F = Null
verrichtete Arbeit W = Null
erbrachte Leistung P = Null

Physikalisch gesehen, wird an einem Körper, der sich mit einer konstanten Geschwindigkeit in einer Ebene von A nach B bewegt, keine Arbeit verrichtet. Wir wissen aber alle, was es bedeutet, aus eigener Kraft längere Distanzen zu überbrücken und wie kräftezehrend die Angelegenheit in Wirklichkeit ist, auch wenn keine Steigungen überwunden werden müssen.

Was soll also nun der ganze Quatsch?

Ich wollte mit dieser physikalischen Einführung nur verdeutlichen, dass man zum Erreichen persönlicher Ziele zuerst immer die Gesetzmäßigkeiten und deren Gültigkeit für sich selbst herausfinden muss, und nicht ohne Überprüfung irgendwelche Regeln oder gut gemeinte Tipps übernommen werden sollten. Es gibt keine Formel, mit der ich meine Leistungsfähigkeit an einem bestimmten Tag X im Voraus berechnen kann, eben so wenig wie es möglich ist, die Bewegung des links abgebildeten mechanischen Pendels vorherzusagen. Eine marginale Veränderung der  Eingangsgröße hat eine unberechenbare Veränderung der Ausgangsgröße zur Folge.


   Handskizze WS 1986/87: Chaotisches System
 

Die Einteilung und Vorbereitung für einen sportlichen Wettkamp besteht aus vielen Komponenten, die natürlich ohne Zweifel auch Gesetzen unterliegen. Ein Trainingsplan ist ein hilfreiches Werkzeug zum erreichen einer bestimmten Zielzeit, unter der Voraussetzung, man hat die Zeit und nötige Selbstdisziplin diesen Plan einzuhalten und umzusetzen. Eine Garantie kann mir selbst ein auf meine Bedürfnisse angepasster Trainingsplan nicht geben, er ist lediglich ein Stein auf dem Weg zum Erfolg. Ich persönlich, bin allerdings kein Freund von starren Trainingsplänen, und verlasse mich da mehr auf meine innere Stimme und der Freude am Training (Spaßfaktor).

Die Einteilung eines Wettkampfes würde ich dann schon eher unter mathematischen Gesichtspunkten sehen. Das Rennen (z.B. Ultralauf) verhält sich wie eine mathematische Gleichung, die zuerst durch Klammersetzung in Teilaufgaben zerlegt wird, um anschließend eine Unbekannte nach der andern eliminieren zu können. Das heißt im Klartext: Die gesamte Strecke in kleiner Distanzen zerlegen und in den Körper hineinhorchen, um eine Strategie für die so geschaffenen Teilaufgaben zu entwickeln. Diese Prozess ist eine Regelprozess der während des Wettkampfes immer wieder durchlaufen werden muss.

Ob eine länger Vorbereitungsphase auch von Erfolg gekrönt sei wird, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Dies fängt meiner Auffassung nach bereits mit der ersten Trainingseinheit an, und geht über die Sorgfalt, mit der ich mir am Wettkampftag meine Schuhe schnüre, bis hin zum Endspurt auf der Zielgeraden. Natürlich laufe ich nicht eine Sekunde schneller, egal ob ich mir die Schuhe mit einem Doppelknoten oder einem Einfachen schnüre, allerdings kann es in der Platzierung bei einem 10km-Lauf einige Plätze kosten, wenn ich auf die Sicherheit eines Doppelknoten verzichte.

Der Erfolg ist die Summe vieler Kleinigkeiten,
und nicht zuletzt gehört immer auch ein Quäntchen Glück dazu.
 

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