Faszination Wüste
Das
beeindruckende an den Landstrichen im Südwesten der USA ist der
Facettenreichtum, in der sich die Natur dem Reisenden präsentiert. Ein
Reichtum, der nicht selten von Gegensätzen geprägt ist, und gerade den
Wüstenregionen, wie dem Death Valley, einen ganz besonderen Reiz
verleiht. Da befindet sich auf der einen Seite diese Schlichtheit und
Tristesse, dem gegenüber steht auf anderen Seite eine nahezu
verblüffende Artenvielfalt. Das Gefühl von grenzenloser Freiheit,
welches einen beim Anblick überkommt, wird eingeengt durch Grenzen, die
ein kleines Spektrum umschließen, in dem ein Überleben überhaupt möglich
ist. Die Gesetze, welche es zu befolgen gilt, sind genau so einfach und
kompromisslos wie die Wüste selbst. Die Wüste verzeiht keine Fehler.
Die beiden häufigsten Todesarten in der Wüste sind Verdursten – und
Ertrinken. Die Stelle hier vibriert von diesem Gegensatz, dieser
Spannung zwischen der Notwendigkeit, Wasser zu finden, und der
Notwendigkeit, vor ihm zu fliehen. Die Fluten kommen ohne die geringste
Vorwarnung, zur heißesten Jahreszeit, wenn das Letzte, an das ein Mensch
denken würde, ein Zuviel an Wasser wäre. Und plötzlich gibt es nur noch
Wasser, nichts als Wasser. Es schimmert und steigt, es verschlingt und
gibt und versiegt wieder – spurlos. Danach ist nichts mehr, wie es war.
Auszug aus dem Buch: Der Wasserkartograf / Unterwegs im Südwesten der
USA
by Craig Childs